Dienstag, 15. April 2014

Das verkaufte Kind



Eine "Wutprobe" für liberal - das Debattenmagazin der Freidrich-Naumann-Stiftung 

 



„Klar muss sich die Regierung noch mehr um Familien kümmern. Wir ziehen schließlich die künftigen Rentenzahler groß.“

Da ist er wieder, der wohl dümmste Krabbelgruppensatz, der mir in meiner Karriere als junge Mutter bislang untergekommen ist. Er baut auf der deutschen Volksweisheit „Kinder kriegen die Leute immer“ auf.
Noch so ein Satz, der nicht stimmt. Gesagt haben soll ihn Konrad Adenauer, als er die Finanzierung unserer gesetzlichen Rentenversicherung auf das noch heute angewandte Umlageverfahren umstellte. Ende der 1950er-Jahre war das eine gute Idee. Das Ersparte seiner Wähler war nach zwei Weltkriegen nichts mehr wert, und bittere Armut für die Alten bei gleichzeitigem Wirtschaftswunder für die Jungen wäre nicht fair gewesen. Damals war auch genug von allem da: Arbeit, Beitragszahler, Nachwuchs – die Jahrgänge 1955 bis 1965 werden nicht umsonst als „Baby Boomer“ bezeichnet.
Heute liegt die Geburtenrate in Deutschland bei 1,3 Kindern je Frau, und unsere Lebenserwartung steigt. Rentner von heute beziehen ihr Altenteil deutlich länger, als es ihren Großeltern vergönnt war. Dass wir älter werden, ist eine erfreuliche Nachricht. Dass wir uns aussuchen können, wie viele Kinder wir haben wollen, auch. Wir sollten uns unsere Freiheiten und Freiräume nicht davon vermiesen lassen, dass unser Rentensystem nicht zu den Kindern passt. Gesetze und Systeme kann man ändern. Es ist wirklich armselig, dass wir das nicht besser hinbekommen. Stattdessen wird überall gebetsmühlenartig wiederholt, dass es eben „immer schon so“ gewesen und dies nun mal der „Generationenvertrag“ sei – das ist ja auch viel einfacher, als sich etwas Neues einfallen zu lassen. Aber wenn Eltern von ihren Kindern als „künftige Rentenzahler“ sprechen, dann unterschreiben sie damit einen „Generationenvertrag“, der ihren Kindern schadet.
Mein Mann und ich ziehen ein Kind groß, keinen künftigen Beitragszahler. Aus ihm soll ein freier Mensch werden dürfen, einer, der selbst vorsorgt und die Verantwortung für sein Wohl nicht einfach der nächsten Generation aufs Auge drückt. //